„Gottes Schöpfung ist sehr gut“

Jahr für Jahr stellt eine Gruppe von Frauen eine Liturgie für diesen auf der ganzen Welt gefeierten Weltgebetstag zusammen. Diesmal haben Frauen aus Surinam ihr Land und ihre Anliegen unter das Thema „Gottes Schöpfung ist sehr gut“ gestellt. Hiess er früher noch „Weltgebetstag der Frauen“, so ist die Feier heute auch Männern zugänglich. In Bichwil fanden sich jedoch keine Herren der Schöpfung ein, es blieb alles in kleinem Rahmen interessierter Frauen. Die Flötengruppe ANIMA trug mit klangvollen Weisen aus südamerikanischen Ländern zu einer besinnlichen Feier bei.

Surinam
Dieses Land ist in unsern Breitengraden höchstens durch den einen oder andern surinamischen Fussballer schon in den Schlagzeilen gewesen. Allein der Name tönt schon exotisch. Aber die Geschichte dieses kleinen Landes im Nordosten Südamerikas ist auch äusserst spannend. Ein unglaubliches Völkergemisch bewohnt diesen Staat, unzählige Religionen – Christen, Hindus, Moslems, aber auch Juden, Anhänger des Javanismus sowie andrer Religionen - leben friedlich nebeneinander. Sehr gross ist noch immer der Einfluss der Herrnhuter Brüdergemeinde.

Es herrscht ein unglaublicher Sprachenwirrwarr in diesem Land, wobei die Amtssprache immer noch Niederländisch ist, nachdem Surinam vom 17. Jahrhundert an bis 1975 – dem Jahr der Unabhängigkeit – von den Niederlanden als Kolonialmacht verwaltet wurde. Der grösste Teil des Landes ist von riesigen Urwäldern und Mangrovensümpfen überzogen. Auf einen Quadratkilometer kommen deshalb im Durchschnitt drei Personen, da weite Landstriche nicht bewohnbar sind.

Vielfältige Flora und Fauna
Das kleine Land ist reich gesegnet, mit einer wunderschönen, vielfältigen Pflanzenwelt, dazu unzähligen Tierarten und einer abwechslungsreichen Landschaft. So gibt es dort Riesengürteltiere, unzählige Affenarten den Riesenotter, aber auch Jaguare oder Tapire, die alle vom Aussterben bedroht sind. Das Naturschutzgebiet „Central Suriname Nature Reserve“ steht auf der Liste des UNESCO-Welterbes, ebenso die Hauptstadt Paramaribo mit ihrer historischen Altstadt mit malerischen Häuserzeilen im Kolonialstil.

Umweltprobleme
Das Land hat viele Rohstoffe, so Gold, Bauxit (Aluminium-Werkstoff), auch Öl, aber es drohen Quecksilberverseuchungen, die Rohstoffpreise schwanken und bringen das Sozialsystem immer wieder in Schieflage, was die noch junge Demokratie bedroht. Die Gesellschaft zerfällt zusehends, was sich auch an vielen Teenager-Schwangerschaften zeigt, welche meist zu Schulabbruch und als Folge davon in die Armut führen.

Welt der Frauen
Seit 1936 können in Surinam Frauen in Ämter gewählt werden. Sie bekamen das aktive Stimmrecht allerdings erst 1948 – aber immerhin ein paar Jahrzehnte vor den Schweizer Frauen. Prostitution ist im Land nicht verboten, sondern alltäglich, vor allem Frauen aus der Dominikanischen Republik sind als Sexarbeiterinnen tätig. Ihr Beruf ist allerdings sehr gefährlich, das Land wird sogar als Durchgangsland für den Frauenhandel genannt. Teenagerschwangerschaften sind weit verbreitet, häusliche Gewalt ein alltägliches Problem. Es gibt jedoch unzählige Feste in Surinam, da alle Feiertage aller Religionsgemeinschaften gefeiert werden. Die Kleider der einheimischen Frauen sind farbig und meist buntgemustert.

Feier in Bichwil
Mitten im Raum des Pfarreiheims hatte das Vorbereitungsteam eine Art Installation mit farbigen Tüchern und ein Strauss bunter Strelizien - hierzulande auch „Papageienblume“ genannt -, aufgebaut. Auf dem Boden stand ein grosses Gefäss mit rotem Ton, welcher im Laufe der Liturgie eine Rolle spielen sollte. Pfarreileiterin Ingrid Krucker-Manser stellte erst das Land Surinam vor. Sozialdiakonin Brigitte Heule las die altbekannte Schöpfungsgeschichte vor, auf der Leinwand konnten dazu wunderschöne Naturbilder bestaunt werden. Brigitte Heule verteilte darauf Tonwürfel an die Frauen mit dem Hinweis: „Einfach schauen, was beim Hantieren mit diesem Ton entsteht…“, während Frauen aus dem Vorbereitungskreis Texte mit Aussagen verschiedener surinamischer Frauen vorlasen. Die kleinen Berichte erzählten von besonderen Herausforderungen im surinamischen Alltag. Die Kolonialzeit und vor allem die lange erlittene Sklaverei schimmerten durch fast jeden dieser Beiträge.

Gesungenes Lob
Mit dem Lied „Überall ist Gott“ wurde die eigentliche Feier eröffnet. „Gott gab uns Atem“ rief in Erinnerung, dass wir Sinne und Möglichkeiten bekommen haben, um zu handeln. „Gott will mit uns diese Erde verwandeln – wir können neu ins Leben gehen“ heisst es in der dritten Strophe. Und natürlich durfte auch das eigentliche Weltgebetstag-Lied „Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen…“ mit der schönen Idee betender Menschen rund um den Weltball nicht fehlen. Die Frauen wurden bei allen Liedern von der Flötengruppe ANIMA begleitet.

Kollekte
Die diesjährige Kollekte ist für die Ausbildung junger Frauen in der Hauptstadt Paramaribo gedacht. Es sollen damit Nähmaschinen, Stühle und Tische für ein Nähatelier gekauft werden. Dies ist konkrete Hilfe, gerade auch für junge Frauen, die schon als Teenager Kinder bekommen und deshalb keine Ausbildung absolvieren konnten.

Gemeinsamer Austausch
Fleissige Hände haben feine Desserts mit exotischem Gepräge gezaubert, welche grossen Anklang fanden. Und so sass nach der Feier eine kleine, aber äusserst diskussionsfreudige Runde zusammen. Man hatte ein unbekanntes Land ein wenig kennenlernen, Gebete in heutiger Sprache mitbeten und Lieder mit zum Handeln aufrufenden Texten singen können. Damit durfte man sich mit allen feiernden Christen auf der ganzen Welt verbunden fühlen.

Annelies Seelhofer-Brunner